Wozu braucht Hamburg Ole von Beust, wenn es einen Joe Bonamassa haben kann?
Aber erst mal eines nach dem anderen. Samstag 17. Juli 2010 im Hamburger Stadtpark, das Wetter hält – fast -, ein paar kleine Tropfen im Vorprogramm wurden mit dem Gig von Joe durch Sonnenschein im wahrsten Sinne des Wortes spielerisch ersetzt.
Dabei war das Vorprogramm gar nicht mal zum Weinen! Special Guests waren hier „Saint Jude“ (http://www.myspace.com/saintjudemusic), die unplugged nur mit dem Gitarristen Adam Green und Sängerin Lyme Jackaman vertreten waren und so für ihre viel größere Combo Werbung machen wollten. Was ihnen auch durchaus gelungen ist. Sauber intoniert und kraftvoll mit starken Engagement gesungen wurde das Publikum rockig, größtenteils balladesk unterhalten und nahm den Gig dankbar an. Wobei dieses – das Publikum – schon hier wirklich entspannt und locker drauf war; nix mit hanseatisch unterkühlt.
Danach waren dann Jimmy Bowskill, Dan Neill und Wayne Deadder mit der „Jimmy Bowskill Band“ (http://www.myspace.com/jimmybowskill) gefordert, die Stimmung in Richtung Bonamassa zu führen. Die Band ist jung, aber inzwischen keine unbekannte Größe mehr, spielt sie doch z.B. am Montag den 19.07. bereits wieder in Bonn zusammen mit Jeff Beck in der Museumsmeile. Knackig, rockig, weniger Blues betont, wie der zu erwartende Hauptact, geht das Trio zur Sache und verhindert so, dass sich die Hanseaten (und anderen Gäste) in dem kleinen Schauer doch noch abkühlen. So vorgewärmt, hat Joe Bonamassa um 19:45 Uhr keine Probleme die richtige Stimmung bei Gitarre und Publikum zu finden.
Wie bereits im Preview beschrieben gehört Joe Bonamassa zu den Top Ten der derzeitigen Gitarristenszene. Und das gar nicht mal so lange, dafür aber bereits nachhaltig und effizient, wie er selbst feststellte: „Vor acht Jahren startete ich meine Karriere, ein paar Meter von hier entfernt, in einem Schuppen namens „Downtown Blues Club“, vor ungefähr 60 bis 70 Leuten. Ich dachte noch, gar nicht mal so schlecht, darauf können wir mit einem Glas Schampus anstoßen. Es war gar nicht daran zu denken, dass wir heute hier vor 3.500 Leuten spielen. Thank You Hämbörg!“ Joe Bonamassa spielte letztes Jahr vor 7000 Leuten in der Royal Albert Hall in London, wo Eric Clapton „sein“ Gast war! Das Konzert innerhalb 14 Tagen ausverkauft und die Live-Aufnahme war die meist verkaufte Blues-Rock-DVD des Jahres 2009. An diese Grenzen ist der Stadtpark nicht gestoßen, was zum einen u.a. auch daran lag, dass die dort hervorragende Akustik viele Leute dazu bewogen hat rundherum, mit einem Grill bewaffnet, dem Geschehen zu lauschen und sich so die immerhin 41,- EUR Eintritt zu sparen. Hören ist das eine, aber hier muss man auch gesehen haben, die Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit des geübten Spiels zieht viel Hobby-Gitarristen und solche, die es noch werden wollen in die erste Reihe zum Graben um noch so jedes kleine Detail mit zu bekommen (und zwar mit der Handy-Cam, habe schon lange nicht mehr so viele blutleere Arme in der ersten Reihe gesehen). Zusammen mit Rick Melick – Keyboards, Carmine Rojas – Bass und Boogie Bowles – Schlagzeug, die schon mit Größen wie David Bowie, Tina Turner und Rod Stewart gespielt haben, lässt er die 3500 zahlenden Gäste auch auf ihre Kosten kommen und erfüllt ihnen den spürbaren Wunsch mit „The Ballad Of John Henry“ oder Songs der neuesten Scheibe „Black Rock“ das Bekannte live und nuanciert vorzustellen. Wobei die Anzahl der verwendeten Klampfen, sowie die erkennbare Wertigkeit dieser dem besagten Hobbygitarristen die Augen schon größer werden ließen.
Tja, wer kann, der hat auch!
Das Publikum in der Arena und an den Grills draußen kommt auf seine Kosten ein herrlicher Blues- Rockabend, der die Erwartungen an Joe Bonamassa hinsichtlich des Bekannten erfüllt, wobei ein kleiner Wermutstropfen eingefüllt werden muss: mehr nicht! Es fehlte irgendwie der Hype, etwas, wo man sagt: „Ja das ist das Konzert …. Der Hit schlechthin!“. Insofern nicht ganz das Highlight des Jahres. Aber das soll den positiven Gesamteindruck nicht unbedingt schmählern.
Also: Tschüß Ole, Willkommen Joe!
Mein besonderer Dank gilt der a.s.s. concert & promotion gmbh und der sympathischen Wiebke als auch der Staff- und Security-Mannschaft, die völlig unaufgeregt, professionell und nett agiert haben. Ist selten – darum auch zu erwähnen! Wobei der schmale Graben für die Fotografen mich nur darin bestätigt hat, dass die letzte Diät doch nicht so verkehrt war:-)!
Setlist aus dem Stadtpark in Hamburg, 17.07.2010
(ohne Gewähr)
1. The Ballad of John Henry
2. Last Kiss
3. So Many Roads
4. Bridge to Better Days
5. So, It's Like That
6. If Heartaches Were Nickels
7. Blue and Evil
8. Sloe Gin
9. Lonesome Road Blues
10. Happier Times
11. Three Times a Fool
12. Blues Deluxe
13. Young Man Blues
14. Woke Up Dreaming
15. Mountain Time
16. Bird on a Wire (Leonard Cohen cover)
17. Just Got Paid (ZZ Top cover)
musikalischer Background des Verfassers Wenn es sein muss: Death, Gothic, Doom, Grind, 70er Rock, Alternative, Blues, Prog usw!!!
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